Interview mit Lars Bosselmann

28. Oktober 2025 um 07:56 Uhr

Hier einmal das Interview auf Instagram:





Hier noch einmal das Interview in Textform:

Interview mit Lars Bosselmann – Gründer des Trägers JaZZ

Frage: Hallo Lars, Du hast den Träger JaZZ im Jahr 2010 gegründet. Wie kam es dazu?
Lars Bosselmann:
Der Weg zur Gründung von JaZZ war nicht gerade geradlinig. Ursprünglich war bei mir sogar
eine Laufbahn als Berufssoldat angedacht. Danach habe ich eine umweltschutztechnische
Ausbildung gemacht und auch als Tennistrainer gearbeitet. Erst später hat sich mein Weg in
Richtung Jugendhilfe entwickelt. Nach meiner Ausbildung und verschiedenen Anstellungen in
diesem Bereich kam irgendwann der Gedanke, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Frage: Das heißt, Du warst schon vor JaZZ selbstständig tätig?
Lars Bosselmann:
Ja, etwa 2005 habe ich mithilfe des Zuschusses für eine sogenannte „Ich-AG“ meinen ersten
Träger gegründet. Parallel dazu war ich noch 20 Stunden pro Woche im Bereich der
Schulverweigerung tätig und habe an einigen Nachmittagen Tennistraining gegeben. In dieser
Zeit haben mich zwei Kollegen gefragt, wie ich es schaffe, mit einer 20-Stunden-Stelle meinen
Lebensunterhalt zu sichern. Daraus entstand ein Gespräch über meine Selbstständigkeit – und
schließlich die Idee, gemeinsam etwas im Bereich Jugendhilfe zu gründen. So wurde JaZZ ins
Leben gerufen.

Frage: Und wie entwickelte sich die Zusammenarbeit?
Lars Bosselmann:
Nach kurzer Zeit zeigte sich, dass die Zusammenarbeit aufgrund der örtlichen Distanz auf
Dauer schwierig war. Also habe ich JaZZ zunächst alleine weitergeführt. 2014 kam Thorsten
Kühn dazu, der bereits 2011 mit einem Minijob im Träger angefangen hatte – übrigens fand sein
Vorstellungsgespräch damals nicht in einem Büro statt, sondern an seinem damaligen
Arbeitsplatz, einer Schule. In den Anfangsjahren gab es viele Gespräche in Küchen von
Bewerbern oder auch bei mir zu Hause – das war eine ganz andere Zeit, sehr familiär. Sicher
war das auch der Tatsache geschuldet, dass ich noch gar kein Büro hatte..smile.
Mit Thorsten entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit: vom Minijob über eine Vollzeitstelle
bis hin zur anteiligen Trägerleitung. Wer JaZZ kennt, weiß, dass das bis heute so geblieben ist.

Frage: Was zeichnet JaZZ als Arbeitgeber besonders aus?
Lars Bosselmann:
Ich denke, eines unserer größten Merkmale ist Beständigkeit. Viele Kolleginnen und Kollegen

sind schon seit Jahren bei uns und haben sich mit uns weiterentwickelt. Aus einer kleinen Idee
ist inzwischen ein großer Trägerverbund geworden – mit über 150 Mitarbeitenden, sechs
stationären Einrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und einem ambulanten
Bereich, der von Schulbegleitung über Frühförderung bis zur sozialpädagogischen Familienhilfe
ein breites Angebot abdeckt.

Frage: Was war Dein Antrieb, einen eigenen Träger zu gründen?
Lars Bosselmann:
Der Wunsch, etwas Gutes zu tun. Ich wollte die Jugendhilfe mit eigenen Vorstellungen
gestalten – in dem Rahmen, den man hat. Wir wollen unserem Leitbild gerecht werden, unsere
Werte leben und weiterentwickeln.
Wenn mir vor 15 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir heute über 150 Mitarbeitende und mehr
als 250 Klientinnen und Klienten betreuen, hätte ich das nie geglaubt. Man wächst mit seinen
Aufgaben, trifft Entscheidungen – manche richtig, manche vielleicht weniger beliebt –, aber
immer im Sinne des Trägers.
Gerade in den ersten Jahren war die Belastung enorm – es gab Tage, an denen ich nur alle
zwei Tage eine Nacht geschlafen habe. Das war eine intensive Zeit, aber ich konnte sie durch
Sport gut kompensieren. Jeder, der mich kennt, weiß um den Drang, den ich zur Bewegung
habe. Von Kollegen höre ich häufig, dass ich wie ein Hamster im Laufrad bin. Und ich nehme
das als Positiv wahr. Stillstand ist für mich in allen Bereichen schwer zu ertragen.
Auch wenn es auch heute oft zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche sind, fühlt sich diese
Belastung selten so an, denn was kann eine größere Motivation sein, als zu sehen, was alles
bewegt werden kann. Ich bin nun seit 15 Jahren täglich in den Themen des Trägers – egal, wo
ich bin. Und das nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es mir Spaß macht und ich sehe, wie
sinnvoll und wirksam all das ist, was wir mit JaZZ erreichen können.
Unterschriften unter Arbeitsverträge verursachen immer wieder Gänsehaut – im Wissen der
Verantwortung, die man übernimmt.
Und sicher muss es den Punkt geben, an dem es JaZZ ohne mich geben wird. Durch die
Vielzahl der tollen Mitarbeiter ist mir aber nicht bange. Niemand ist unersetzlich

Frage: Gibt es ein Motto, das Dich auf Deinem Weg begleitet?
Lars Bosselmann:
Ja, eines meiner Lieblingszitate ist:
„Wir können nicht beeinflussen, wie die Wellen brechen,
aber wir können beeinflussen, wie wir sie nehmen.“

Das beschreibt ganz gut, wie ich bei JaZZ oder auch in meinem Leben Dinge angehen möchte:
flexibel, lösungsorientiert und mit viel Herzblut.

Frage: Was macht JaZZ heute aus Deiner Sicht besonders?
Lars Bosselmann:
Definitiv die kurzen Wege. Wir können schnell auf Anregungen, Fragen oder Probleme
reagieren. Diese direkte und unkomplizierte Kommunikation macht uns stark – und
unterscheidet uns von vielen größeren Trägern. Außerdem nutzen wir gezielt die Ressourcen
und Ideen, die Mitarbeitende mit einbringen, wodurch sich der Träger immer breiter aufstellt.

Frage: Und wie blickst Du in die Zukunft?
Lars Bosselmann:
Zukunft ist nicht vorhersehbar, aber gestaltbar. Der Leitspruch von JaZZ.
Wir sind immer offen für neue Projekte, Ideen und Verbesserungen. Unser Ziel ist es, die
Qualität unserer Arbeit stetig zu erhöhen und unsere Welt jeden Tag ein Stück besser zu
machen – auch über die Jugendhilfe hinaus.
Neben Thorsten Kühn in der Trägerleitung konnten wir mit Elsbeth Schliestedt und Andreas
Hartmann weitere komplett JaZZ gegenüber Loyale Kollegen in der Trägerleitung gewinnen.
Elsbeth ist zudem auch als stationäre Koordination im Einsatz. Beide sind weitere wichtige
Säulen für die dauerhafte Ausrichtung von JaZZ. Aber letztlich ist jeder, der bei JaZZ arbeitet
oder den Träger unterstützt, ein wichtiger Teil des Ganzen. Alle zusammen bilden die Grundlage
für die Qualität und Anerkennung, für die JaZZ steht. Dafür ein großes Dankeschön an alle, die
diese Loyalität mit dem Träger leben.
Aktuell beschäftigen wir uns intensiv mit Themen wie Nachhaltigkeit, regionalem und
unverpacktem Einkaufen, Tierschutzprojekten und sogar einem eigenen Verein – den JaZZ
Tierfreu(n)den, den wir gerade gegründet haben.

Frage: Was bedeutet JaZZ für Dich persönlich?
Lars Bosselmann:
JaZZ ist für mich mehr als nur Jugendhilfe. Es ist ein Stück meines Lebenswegs, meiner
Identität. Und vielleicht sage ich das zu selten – aber ich bin wirklich stolz auf das, was daraus
entstanden ist.
Der Gedanke, dass so vieles ohne diese Gründung gar nicht existieren würde, ist ein
seltsames, aber zugleich wunderschönes Gefühl. Wie viele Menschen würde ich selbst gar
nicht kennen – und wie viele hätten sich ohne JaZZ vielleicht nie begegnet? Wenn man daran
denkt, wie viele Freundschaften, gemeinsame Projekte oder einfach schöne Momente dadurch
entstanden sind, erfüllt das mit echtem Stolz und Dankbarkeit.

Natürlich gab es auch Begegnungen, die nicht für alle Seiten gleich gut waren – das bleibt wohl
nicht aus. Doch sie sind klar in der Minderheit. Überwiegen tun all die Verbindungen, die
gewachsen sind, inspiriert haben und das Leben vieler bereichert haben. Und genau das macht
das Ganze so besonders.


Frage: Gibt es sonst noch etwas was man über dich wissen sollte?
Nein, und genau das ist glaube ich auch etwas in der Einfachheit, was es trifft. Alleine in diesem
Interview erfährt man schon mehr , als viele überhaupt wissen oder wussten.
Frage: Zum Abschluss – möchtest du noch etwas mitteilen?
Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Welt jeden Tag ein Stück besser
wird.
Was uns ausmacht, sind nicht nur die Summe der Erfahrungen, die wir erleben,
sondern auch die Summe der Taten, die wir vollbringen.
Darauf können wir und andere zurückblicken.